Berrisford et al.: The European Thoracic Surgery Database project:
modelling the risk of in-hospital death following lung resection.
EJCTS 2005; 28: 306-11
European Thoracic Surgery (ETS) Database
– Wiener Erfahrungen
A. End, W. Klepetko
Aufbauend
auf der 1996 für allgemeine Thoraxchirurgie gegründeten Datenbank
der
Society of Thoracic Surgeons
(STS), hat die European Society of Thoracic Surgeons (ESTS) eine
Datenbank für Europa entwickelt, die European Thoracic Surgery
Database.
Diese unterscheidet sich von der STS-Datenbank durch ihre wesentlich
straffere
Form; sie steht den Mitgliedern der ESTS und EACTS kostenlos zur
Verfügung. Datenbankmanager ist der Sekretär der
Gesellschaft, Dr. Richard
Berrisford, in Exeter. Während die STS bis jetzt noch keine Statistik
der
thoraxchirurgischen Eingriffe liefern kann, gibt es von der ETS Datenbank
bereits erste Ergebnisse.
Ziele:
Die
Datenbank liefert den Zentren eine Op-Statistik (Op-Frequenz,
Morbidität,
Mortalität) und ermöglicht einen Vergleich mit anderen Zentren
(Benchmarking). Die Etablierung eines Risikomodells für Lungen- und
Ösophagusresektionen ist geplant.
Aufbau:
Die
Datenbank besteht aus 5 Haupt-
mit
insgesamt 35 Unterblöcken, die Eingabe erfolgt in erster Linie
über Dropdown
lists.
Die 5
Hauptblöcke (Abb. 1) umfassen Patientendaten mit Pat.Code (ID
verschlüsselt), Geb.datum und Geschlecht. Der operative
Block besteht aus Op-Datum, der
Operationsart
und dem Operateur (ID verschlüsselt). Der Risikoblock
umfaßt
die Dringlichkeit, den ASA-Score, ECOG- und Dyspnoe-Score, die FEV1 und die DLCO %. Bei den Resultaten sind die
Diagnose, die Histologie, pTNMR, Komplikationen, die Spitals- und
30-Tages-Mortalität
angeführt. Zusätzlich gibt es beim Bronchuskarzinom noch
einen
Staging-Modul mit CT und Mediastinoskopie. Als Beispiel für einen
umfangreichen Eingabeschirm ist die Lobektomie beim nichtkleinzelligen
Bronchuskarzinom (Abb. 2) und für einen einfachen Schirm eine
Mediastinoskopie gezeigt
Nationen:
Nach
einem
Pilotversuch in 12 Ländern, wurde seit Ende 2001 offiziell mit der
Datenerfassung begonnen. Mit Stand vom 24. Okt. 2002 haben sich 70 Zentren
in
19 Nationen zur Teilnahme gemeldet (Abb. 4) . Von diesen Zentren haben 14
bereits Daten per email transferiert. Die 12 bereits aktiv beteiligten
Nationen
sind Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland,
Ungarn,
Italien, Polen, Spanien, Schweiz, Türkei und Großbritannien (Abb.
5).
Insgesamt
wurden bis jetzt 2 398 Fälle europaweit eingegeben (Abb.
6).
Unsere
Erfahrungen:
An der
Abt.
f. Herz-Thoraxchirurgie, Universitätsklinik Wien, haben wir zwischen
1.1.
und 31.8.2002 482
Fälle
dokumentiert (Abb. 7). Die Daten werden von einem Studenten eingegeben
(Eingabezeit ca. 5-20 min.), dann von thoraxchirurgischer Seite aus
kontrolliert
und transferiert. Kommt die Meldung "missing data", werden die
Daten
nochmals überprüft, um eine 100 % Komplettheit zu erreichen. Eine
Auflistung
der Operationen nach Gruppen ist möglich; eine detailliertere
statistische
Auswertung ist bis jetzt - vom ETS Datenbankmanagement her - nur in
beschränktem Umfang möglich
(Abb. 8).
(Abb. 9).
Fehler in der Datenbank, die wir bei der Eingabe entdeckt
haben, wurden von Dr. Berrisford rasch behoben. Bei Unklarheiten in der
Dateneingabe, die unweigerlich bei den ersten Fällen auftraten, haben
wir
öfter via email nachgefragt; da Dr. Berrisford für die Datenbank
alleine verantwortlich ist, mußten wir mitunter länger auf ein
Feedback warten.
Zusammenfassend
können wir sagen, daß die Dateneingabe benutzerfreundlich ist und
mit zunehmender Routine rascher erfolgt. Aus den Drop down lists ist einfach
das am besten zutreffende Item anzuklicken. Die postoperative FEV1 wird
automatisch nach Eingabe der präoperativen FEV1 predicted und der
Anzahl
der entfernten Segmente berechnet. Die Datenbank ist kurz und bündig,
d.h.
sie beschränkt sich auf die wesentlichsten Diagnosen und
Therapien. Der Freitext
sollte nur dann benutzt werden, wenn keine Diagnose aus den vorgegebenen
Drop
down lists zutrifft.
Perspektiven:
Erstmals wurde europaweit eine Datenbank für Thoraxchirurgie geschaffen, die letztendlich eine Qualitätssteigerung der einzelnen Abteilungen zum Ziel hat und ein Benchmarking ermöglicht. Nur durch die Erfahrung aller teilnehmenden Chirurgen kann die Datenbank verbessert und weiterentwickelt werden. Alle thoraxchirurgischen Zentren sind aufgerufen, sich an diesem gemeinsamen Projekt zu beteiligen, um der Thoraxchirurgie eine starke Präsenz in Europa zu verleihen.
Adressen:
Homepage
der ESTS: www.ests.org/
ETS-Datenbank:
www.ests.org.uk/
Für
Rückfragen an den Datenbank-Manager Dr. Berrisford
db.support@ests.org.uk
Für
Rückfragen an Doz. Dr. Adelheid End, Abt. f.
Herz-Thoraxchirurgie, Univ.Klinik,
Währinger Gürtel 18-20, A-1090 Wien:
adelheid.end@meduniwien.ac.at